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Fragen und Antwort-Thread vom Amerikaradler
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Seite 1 von 1

Autor:  kokosadun [ So 18. Jun 2006, 00:32 ]
Betreff des Beitrags:  Fragen und Antwort-Thread vom Amerikaradler

Hier kann man dem Münchner Amerikaradler, im Forum auch bekannt als Valentin Charlie Fragen stellen zu seiner wahnsinnigen Fahrrad-Reise, 18.000km durch die USA.

Was da an Verschleiß anfiel ist schon ein ordentliches Stück.
Vielleicht magst Du die pm an mich von vorhin nochmal einfügen?
Was ich so krass finde: 3 Sättel aufgebraucht - wie das? - Alle gebrochen oder wie?

Autor:  Valentin Charlie [ So 18. Jun 2006, 06:59 ]
Betreff des Beitrags: 

Naja, war nicht nur USA; es ging von Suedargentinien bis nach Montreal in Kanada.
Eigentlich wars nur ein Sattel, der's nicht unter mir ausgehalten hat; in Mexiko (nach 12.000km) hat sich eine Seite abgesenkt, was zurfolge hatte, dass sich mein Gewicht nur noch auf einer Kante auflag, was sprichwortlich some pain in my butt war. Leider gabs in der mexikanischen Provinz nur billige Selle Italia Abkupferungen, die ebenfalls nicht sehr bequem fuer lange Strecken waren.
In Houston hab ich dann mit einem murderdeal einen Brooks erstanden, der wohl der beste Sattel ist, den ich je hatte. Den werde ich so schnell wohl nicht zerstoeren.
Mit dem Sattel war es wie mit vielen anderen Ersatzteilen, die ich wohl nicht so haeufig hatte wechseln muessen, wenn man zwischen Feuerland und Texas nicht nur minderwertige Teile bekaeme. Auf der anderen Seite waren die Teile dafuer billig.

Autor:  kokosadun [ So 18. Jun 2006, 10:04 ]
Betreff des Beitrags:  Die Radkurier Internet Fraktion

Valentin Charlie hat geschrieben:
Naja, war nicht nur USA


Menno, da war ich gestern echt zu müde, um noch was Richtiges zu machen. Hauptsache thread offen habe ich mir gedacht. <img src="http://www.fahrradkurier-forum.de/images/smiles/011.gif">

Ich sag nur: Fotos sprechen mehr wie tausend Worte, und die auf der Seite neuerdings in Deinem Profil sind sehr gut geworden !
Du hast Dich ja ein paar Male äußerlich ganz schön verändert während der Tour.
Das Fahrrad gefällt mir das Du da hast.

Interessieren würde mich natürlich viel mehr, z.B. Packliste, Ernährungsablauf, wie viel Geld Du verbraucht hast, was es für Erlebnisse in der Wildnis gab usw. Ich bin mir sicher, daß da auch viele andere im Forum sehr neugierig wären :daumen.

Vielleicht machst Du ja eine Homepage über die Tour?
Ich würde es sehr sozial finden und Du kannst wenn Du magst alles kostenlos auf www.radkuriere.de/Benni/ laden <img src="http://www.fahrradkurier-forum.de/images/smiles/024.gif">.
Wir hier von der offiziellen Radkurier-Internet-Fraktion haben für alles eine Lösung, wenn auch nicht immer sofort parat.. <img src="http://www.fahrradkurier-forum.de/images/smiles/relaxen.gif">

Autor:  Valentin Charlie [ So 18. Jun 2006, 18:58 ]
Betreff des Beitrags: 

Homepage waere ein Haufen arbeit und wieder wuesste ich nicht wo anfangen und wo aufhoeren; wie schon gesagt ich bevorzuge viel mehr den Austausch, dass ich auf Fragen antworte die interessieren.
Geld war eigentlich einfach: nachdem ich aus Florenz zureuckkam, hab ich 13 Monate lang geschafft, mehr oder weniger 24/7, und das Geld musste dann einfach reichen. Gluecklicherweise waren die meisten Laender vor der US-Grenze ziehmlich billig, so dass ich nicht allzusehr aufs Geld achten musste und mir auch Hotelzimmer leisten konnte, falls es welche gab.
Ansonsten hab ich eigentlich ueberall geschlafen, oft nahe der Strasse hinter Sandduenen oder im Wald oder auf Feldern oder am Strand (Wetter war ja meist gut)
In den USA brauchte ich dann oft ein Dach ueber dem Kopf, so dass ich unter Mobile-Homes oder unter Vordaechern von irgendwelchen abseitsgelegenen Shops geschlafen habe.
Wirklich Kontakt mit wilden Tieren hatte ich eigentlich nicht, hab allerdings Baeren, Fuechse, Affen, Guerteltiere, Lamas, Schlangen und vieles mehr gesehen. Die meisten Tiere waren allerdings herrenlose Hunde, die oft ueberfahren werden und am Strassenrand verwesen.
Gegessen hab ich alles was es halt gab, vor allem was schmeckte. Dabei immer mit etwas Fleisch oder Fisch (Eiweiss) und natuerlich einen Haufen Kohlenhydrate (Viel Reis oder Kartoffeln), Spurenelemente und Mineralien waren sowieso dabei.
Viel viel Wasser getrunken und nicht allzuviel Coke oder Soda. Fuer Zwischendurch gabs dann Muesliriegel, Obst oder Brot mit Marmelade oder belegt.
In Peru war ich einmal zu unachtsam und habe in einem zu billigen (vor allem unsauberen) Restaurant gegessen und war danach drei Tage krank, hatte mir Amoeben eingefangen.
Ansonsten gab's keine Probleme nahrungstechnisch.

Autor:  kokosadun [ Mi 21. Jun 2006, 10:16 ]
Betreff des Beitrags: 

Hallo,

noch ein paar Fragen, bevor ich hier losfahre.

Du meinst 13 Wochen geschafft oder?

Warst Du beim Arzt wegen den Amöben oder, sonst wüßtest Du ja nicht, daß es welche waren... Mußtest Du dann Arztkosten zahlen?

Wie lange war denn die längste Periode, die Du fern von Dörfern und Essensläden warst? - Was hattest Du als Vorrat zum Essen dabei?

Hast Du auch mal wilde Sachen gegessen, z.B. Früchte oder Grünzeug?

Autor:  Burnie [ Mi 21. Jun 2006, 12:04 ]
Betreff des Beitrags:  13 Wochen/Monate

13 Monate geschafft bezieht sich wohl auf 13 Monate durchgearbeitet um das nötige Geld vor der PanAmerica- Reise zu verdienen... ;)

Autor:  Valentin Charlie [ Mi 21. Jun 2006, 23:02 ]
Betreff des Beitrags: 

Der Burnie hat mal wieder den Durchblick, wie beim Fahren mit Helmkamera!
13 Monate vorher Geld verdient natuerlich.
Der liebe Sven aus Stuggi hatte mir ein Buch ueber Tropenkrankheiten mit gegeben, mit dessen Hilfe ich die Diagnose selbst anstellen konnte. War dann aber auch im Krankenhaus und hab eine Spritze bekommen. Hat's zwar nicht ganz ausgerottet, hat aber Erleichterung gebracht. Kostenpunkt: 15 Soles die Behandlung, 10 Soles das Medikament = 25 Soles total (3,5 Soles sind ca. ein Euro). Ich konnte mir das ohne zu ueberlegen leisten, die meisten Peruaner hingegen mit einem Durchnittslohn von 80 Dollares im Monat und sehr kinderreichen Familien wohl kaum.
Die laengsten Durststrecken waren sicher in Patagonien mit einer einzigen Tankstelle in mitten einer 350 km langen Strecke. In der Atakama gab's dann Abschnitte bis zu 120 km ohne Versorgungsmoeglichkeit. Dabei hatte ich immer an die zehn Liter Wasser und vorallem trockenfutter, Brot und Marmelade, Dosenfisch und -fleisch und viele Kekse und Muesliriegel. Den Kocher hab ich sehr frueh wieder heimgeschickt, um Gewicht zu sparen, in den ersten zwei Wochen ein einziges mal benutzt. Nach 8 bis 10 Stunden auf dem Radl hatte ich nie Bock auf Kochen. Und die Restaurants waren gut und billig.
Gab in jedem Land natuerlich typische Gerichte, allerdings waren mir die meisten Zutaten bekannt, meistens wars nur schaerfer als bei uns. Das beste Essen gab's in Mexiko, extremst lecker und meist auch sehr gesund.
Hatte mir eigentlich vorgenommen Kakao zu ernten und mitzubringen, aber hab ich wohl irgendwie versaeumt. Moeglichkeiten Kakao, Bananen, Ananas und dergleichen frisch vom Baum zu holen gab's genug.
Benni

Autor:  kokosadun [ Do 22. Jun 2006, 12:49 ]
Betreff des Beitrags: 

Valentin Charlie hat geschrieben:
Moeglichkeiten Kakao, Bananen, Ananas und dergleichen frisch vom Baum zu holen gab's genug.
Benni


Geil! - Sowas würde mir auch gefallen.
Wahrscheinlich würde ich mich da mal ein paar Tage zur Ruhe legen wollen in einem Ananasfeld oder bei Bananen.

Das lockt den Markus aus der Hütte..... :P

Autor:  kokosadun [ So 2. Jul 2006, 12:46 ]
Betreff des Beitrags: 

Was hattest Du denn alles für Ausrüstung dabei, Benni?

Autor:  Valentin Charlie [ Mo 3. Jul 2006, 01:23 ]
Betreff des Beitrags: 

Hatte vier Taschen mit etwa 5-6kg Gewicht; eine voll mit Bekleidung aller Art, also auch lange Windstopper Hose und Oberteil, Gore-Tex Jacke und sogar Mueze und Handschuhe, die ich bei den Anstiegen in Equador wohl sehr vermisst haette; die zweite Tasche beinhielt Zelt, Schlfsack und Isomate; in der dritten Tasche hatte ich Werkzeug, Reiseapotheke (Malariamittel ganz wichtig), Esswerkzeug, CDs, Strassenkarten und einen Haufen Kleinkram; in der letzten Tasche schliesslich hatte ich vor allem Essen, anfangs auch einen Kocher und einen Wasserfilter, die ich aber heimgeschickt hab mangels Verwendung.
Was an Werkzeug und Ersatzteile an Bord waren: Extraspeichen, 2 Schaeuche, Pumpe, Multitool, Speichenschluessel, diverse Innensechskant, 15 mm Gabelschluessel, Flickzeug, Kettenoel, Fett!
Hab natuerlich versucht das Gewicht so gering wie moeglich zu halten und dabei dennoch alles notwendige dabeizuhaben. Insgesamt war ich wahrscheinlich alles in allem immer zwischen 35 und 40 kg inklusive Radl (je nach Futter- und Wassermenge)

Autor:  kokosadun [ So 9. Jul 2006, 12:16 ]
Betreff des Beitrags: 

Wie hast Du das denn mit dem Fliegen gemacht mit dem Rad?- Ging das einfach so? - Ich habe mir letztens Reiseräder im Internet angesehen und da gibt es tatsächlich Rahmenbauer, die die Option abieten, das Reiserad klappbar zu machen damit es in einen Koffer passt.

Autor:  Valentin Charlie [ Mo 10. Jul 2006, 03:57 ]
Betreff des Beitrags: 

Also bei einer tour um den halben Globus mit den Extrapfunden wuerde ich auf eine Achillessehne wie einem Klappmechanismus nur aufgrund des einfacherern Transports auf jeden Fall verzichten.
Fuer die Fluege ueber den Atlantik und ueber den Darien Gap hab ich mir jeweils in Radllaeden grosse, radlgerechte Kartons besorgt, dann das Radl soweit auseinander genommen als noetig und mit viel Zeitung und alten Hemden in der Box verstaut. Hat alles wunderbar gehalten bis darauf, dass der deutsche Zoll die Kiste geoeffnet hat und entauescht ueber das nicht Auffinden von Sprengstoff auesserst unachtsam wieder verpackt hat, sodass die Einstellschraube der VR-Bremse a bissal vernackelt wurde.
Kostenpunkt fuers Radl: Mit der Iberia von MUC nach Buenos Aires 50 Euros, bei den Fluegen von Buenos AIres nach Rio Gallegos (Austral Airlines), von Medellin nach Panama-City (Coppa Airlines) war es und auch beim Rueckflug von LA nach Dublin (American Airlines) ist es kostenlos.

Autor:  kokosadun [ Sa 15. Jul 2006, 20:05 ]
Betreff des Beitrags: 

Hallo Benni, darf ich hier auch Deine damalige pm an mich mit den Verschleißteilen noch reinstellen, oder postest Du sie selber?

Autor:  Valentin Charlie [ Mo 17. Jul 2006, 19:05 ]
Betreff des Beitrags: 

Aber selbstverfreilich!!!

Autor:  kokosadun [ Mo 17. Jul 2006, 19:52 ]
Betreff des Beitrags:  Selbstverfreilichkeiten

Valentin Charlie hat geschrieben:
Aber selbstverfreilich!!!

Sauber Charlie, bayrisch hat was.

Hier der Verschleiß:

Charlie hat geschrieben:
[...]Wenn Du die Zahlen willst:
18000+ kms, in 100 Tagen (ist sich genau ausgegangen) vom 28.12.05 - 12.06.06, 9 Platten (7 allein in USA), 14 Laender, 4 Ketten, 2 Kassetten, 2 Lenkerbaender, 3 Saettel, 5 Felgen, 2 Satz Bremsbelaege, 2 Tachos (Sigma ist scheisse!) , 1 gestohlene Kreditkarte (Kolumbien), einige Sachen verloren (Pumpe, trickot, Handtuch, schloss), aber dafuer einen Haufen neuer Leute und Erfahrungen, 1 Messenger Run in NYC, 1 Alleycat in NYC, 1 Unfall (Riesenschlagloch in einer Riesenpfuetze(unsichtbar) - Vorderradfelge i. A.!!!)
[...]
Rubberside down


Danke dafür!

Bis bald in München !

Autor:  kokosadun [ Mo 17. Jul 2006, 20:19 ]
Betreff des Beitrags: 

@Charlie: Bist Du eigentlich durchgehend Straße gefahren, oder bist Du auch mal ein bisschen vom Weg runter und durch die Gegend gewandert?
Ich stelle mir durch die Wüste zu fahren auf der Straße ja noch einigermassen komfortabel vor. Mit dem Rad aber durch den Wüstensand selber fahren/schieben ist bestimmt wahnsinnig anstrengend, vor allem mit Gepäck...

Ich seh` Dich schon durchlöchert wie einen Schweizer Käse von den vielen Fragen :lachen

Autor:  Valentin Charlie [ Do 20. Jul 2006, 19:05 ]
Betreff des Beitrags: 

Gerade in Suedamerika, vor allem in Argentinien, hab ich meine Route so gewaehlt, dass ich moeglichst auf Asphalt fahren konnte. (Vom Sueden Patagoniens richtung Norden gibt's da nur eine Strasse, die asphaltiert ist, der Rest ist Schotter). Allerdings gab's da zwischendrin auch mal 20km lange Abschnitte mit Schotter, in Peru wars teilweise sehr ruppig, Kolumbien und vor allem Costa Rica waren einzige Schlagloecher. Zuletzt waren die Strassen in den USA in sehr schlechtem Zustand (Krieg war halt einfach zu teuer!). Ansonsten hatte ich kaum Probleme.
Vor der Tour wusste ich nicht was mich Fahrbahntechnisch erwartete, bin allerdings von so einigen Hindernissen ausgegangen.

Autor:  kokosadun [ Fr 4. Aug 2006, 19:55 ]
Betreff des Beitrags: 

Hey Benni,

wann bist Du denn jetzt wieder in München?

Autor:  Valentin Charlie [ Sa 5. Aug 2006, 02:47 ]
Betreff des Beitrags: 

Flieg naechsten Mittwoch nach Dublin und hab keine Ahnung wie lang ich von da noch brauch, wahrscheinlich aber ned mehr als a Woche. Muss ja auch langsam wieder ans Geldverdienen denken.
Hang loose in Santa Cruz, CA
Benni

Autor:  kokosadun [ Sa 5. Aug 2006, 18:16 ]
Betreff des Beitrags: 

Was mich noch sehr interessieren würde Benni: Du bist jetzt durch so viele Länder geradelt fast durch den ganzen Kontinent.

In welchem der Länder würdest Du denn am liebsten wohnen? - Wo meinst Du, daß das Klima am besten ist und wo gab es die besten Früchte?

:P

Autor:  Valentin Charlie [ Mi 9. Aug 2006, 01:20 ]
Betreff des Beitrags: 

Also essenstechnisch war Mexiko, ueberwiegend der Sueden das Non plus ultra. Dort waren auch mit die nettesten Leute.
Die schoensten Landschaften waren fuer mich ungeachtet des anstrengenderen Radlns vor allem die Bergregionen in Argentienien, Equador und Zentral Costa Rica. Die glasklare Luft ist einfach unbeschreiblich.
Am Ende war Montreal mit Leuten aus allen Teilen der Erde sehr lebendig und ich hab mich auch sehr wohl gefuehlt.
Nichts desto trotz freue ich mich sehr wieder in die andere M-Town zurueckzukehren, die ich mein Zuhause nenne. Und Berge haben wir ja auch genuegend.

Autor:  kokosadun [ Sa 19. Aug 2006, 08:52 ]
Betreff des Beitrags: 

Willkommen zurück in München Benni und :respekt für die lange Tour.

Schön, daß man Dich mal wieder sieht auf ein bisschen Tratsch.

Das ist doch immer mal lustig :lol: und habe ich ja richtig vermisst.

Also viel Spaß wieder im München und danke für die tolle Berichterstattung! :kurierfahrer

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